Foto: Babara Neumann
Foto: Babara Neumann

Zeichen erkennen - Ausbildungsabbruch verhindern

Viele Ausbildungsabbrüche lassen sich verhindern, wenn bereits bei ersten Anzeichen gehandelt wird

Jetzt beginnt für viele hundert junge Menschen in Nord- und Mittelthüringen die Ausbildung in den Betrieben. Allerdings werden nicht alle bis zum Ende durchhalten; aber viele Abbrüche ließen sich verhindern, wenn bereits die ersten Anzeichen und Signale richtig gedeutet werden.
„Jeder Ausbildungsabbruch ist einer zu viel“, sagt Thomas Malcherek, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Erfurt. Bei immer weniger Bewerbern und deutlich anwachsenden offenen Ausbildungsplätzen wiegt jeder Ausbildungsabbruch doppelt schwer. Schließlich muss nicht nur der Jugendliche womöglich ein Jahr ohne Lehrstelle überbrücken. Meistens findet auch der Ausbildungsbetrieb nicht mehr für das Ausbildungsjahr einen neuen Azubi. Soweit muss es nicht kommen. Denn bis zum Abbruch gibt es zahlreiche Signale, die rechtzeitig erkannt werden können.

Rechtzeitig miteinander sprechen
Unterschiedlich ist oftmals der Blick auf die Situation. Betriebe führen in erster Linie unzureichende betriebliche und schulische Leistungen, unentschuldigtes Fehlen, Unpünktlichkeit, mangelhafte Motivation und falsche Berufsvorstellungen als Gründe für einen Abbruch an. Bei den Jugendlichen steht ein belastetes Betriebsklima an erster Stelle. Hierzu zählen Konflikte mit den Kollegen, fehlende Kommunikation und Mobbing. Ebenfalls auf der Liste der Lehrlinge befinden sich Routinetätigkeiten im Betrieb, Zeit- und Leistungsdruck, ausbildungsfremde Aufgaben sowie häufige oder unbezahlte Überstunden. „Es gibt viele Alarmzeichen, die ein Lehrling aussendet, wie eine mangelnde Motivation oder plötzlich sich häufende Fehlzeiten. Auch schlechte Noten in der Berufsschule sind ein wichtiges Indiz. Beim Ausbilder sollten schon bei den ersten Anzeichen die Alarmglocken klingeln“, erläutert Malcherek.

Ausbildungsabbrüche sind weder selten noch auf die viermonatige Probezeit konzentriert. Die meisten Abbrüche erfolgen innerhalb des ersten und zweiten Lehrjahres. Diese Zahlen werden auch von den Mitarbeitern der Lehrlingsrolle der Handwerkskammer Erfurt untermauert. Die Initiative der Vertragslösung geht dabei eher von den Auszubildenden aus. Und die Lehrlinge entscheiden sich schnell; fast die Hälfte innerhalb von zwei Monaten. Die Bildungsberater der Handwerkskammer Erfurt raten daher den Ausbildungsbetrieben, sofort aktiv zu werden und den Ursachen auf den Grund zu gehen. „Oft lassen sich Probleme oder unterschwellige Konflikte mit einem offenen Gespräch aufklären. Dabei können wir als Ausbildungsberater beiden Seiten beratend zur Seite stehen und beispielsweise Irrtümer über Rechte und Pflichten aufklären,“ so Bildungsberaterin Jana Kummer. Auf jeden Fall sollten es nicht zur Eskalation kommen. „Dann wird es schwer, noch etwas zu retten.“ Wichtig ist nach ihrer Einschätzung, dass auch das Umfeld des Lehrlings wie beispielsweise die Eltern oder auch die Lehrer in die Gespräche mit einbezogen werden.

Jeder Ausbildungsabbruch ist einer zu viel
Bricht ein Lehrling seine Ausbildung ab, hinterlässt er in seinem Ausbildungsbetrieb meistens eine Lücke, die nicht wieder mit einem neuen Lehrling gefüllt werden kann. „Die meisten Betriebe versuchen, über die Ausbildung ihren Fachkräftenachwuchs heranzubilden. Da ist jeder Abbruch einer zu viel. Sie sind also daran interessiert, dass der Jugendliche seine Ausbildung erfolgreich absolviert und bei entsprechender Leistung im Betrieb bleibt“, so Jana Kummer.
Aufgrund der geringen Bewerberzahlen, die sich in den kommenden Jahren nicht verbessern werden, erwarten die Ausbildungsberater eine weiter wachsende Zahl an Lehrlingsabbrüchen, da auch Bewerber mit schlechteren Voraussetzungen genommen werden. Umso intensiver werden sich die Ausbilder um ihre Lehrlinge kümmern müssen, um beispielsweise schulische Defizite aufzuarbeiten. „Die Betriebe sind aber keine Reparaturwerkstätten für unzureichende Bildungs- und Erziehungsarbeit in Schule und Elternhaus“, so Thomas Malcherek und rät allen Beteiligten: „Suchen Sie frühzeitig das Gespräch mit unseren Bildungsberatern.“

Experten in Sachen Ausbildung:

Die Bildungsberater der Handwerkskammer Erfurt
Eicke-Hans Baunack, Tel. 0361 / 67 07–278, E-Mail: ebaunack@hwk-erfurt.de: Beratungsschwerpunkte Kfz und Metall

Helmut Böttcher, Tel. 0361 / 67 07–375, E-Mail: hboettcher@hwk-erfurt.de: Beratungsschwerpunkte: Bau und Ausbau, Holz, Bestattungsgewerbe 

Jana Kummer, Tel. 0361 / 67 07–279, E-Mail: jkummer@hwk-erfurt.de: Beratungsschwerpunkte: Behinderten- und Benachteiligtenausbildung, Ausbildungsmodelle ( z. B. Duales Studium), Praktischer Leistungswettbewerb

Ulrich Lauterbach, Tel. 0361 / 67 07-373, E-Mail: ulauterbach@hwk-erfurt.de: Beratungsschwerpunkte Elektro und SHK, Gesundheitsberufe

Dr. Christiane Ochrimenko, Tel. 0361 / 67 07–354, E-Mail: cochrimenko@hwk-erfurt.de: Beratungsschwerpunkte: Nahrungsmittelhandwerke, Friseure und Kosmetiker