Erste virtuelle Schweißversuche: Swen Holland-Moritz (links) vom Fronius-Vertragshändler Guttroff erklärte die Funktionsweise des Schweiß-Simulators.
Handwerkskammer Erfurt
Erste virtuelle Schweißversuche: Swen Holland-Moritz (links) vom Fronius-Vertragshändler Guttroff erklärte die Funktionsweise des Schweiß-Simulators.

Wenn es beim Schweißen nicht mehr heiß wird

BBZ investiert in moderne Schweiß-Trainer für die Ausbildung

Natürlich kann man mit einem kalten Schweißgerät nicht wirklich Werkstoffe zusammenschweißen. Aber man kann es üben. Zwei neue virtuelle Schweißtrainer in der Schweißwerkstatt im Berufsbildungszentrum der Handwerkskammer Erfurt wurden für gerade diese Übungszwecke angeschafft. Ob Lichtbogenschweißen oder Metallschutzgasschweißen - die Software der Geräte lässt unzählige Simulationen beispielsweise von Naht- und Materialformen, Werkstoffen und Schweißpositionen zu. Schweißen über Kopf, sogar das kann mit den Simulatoren des Geräteherstellers Fronius geübt werden. Die Investition wurde zu 60 Prozent von Bund und zu 10 Prozent vom Land gefördert.
 

Hilmar Schönitz, Leiter der DVS-Schweißtechnische Kursstätte, und seine Kollegen in der BBZ-Schweißwerkstatt sind damit einige von wenigen Thüringer Schweißausbildern, die ihren Schützlingen eine solch moderne Ausbildungsvariante anbieten können. Und nicht nur das. Zu dem stationären Gerät schaffte das BBZ einen mobilen Schweiß-Trainer mit den gleichen Funktionen an. Jetzt können sich Interessierte allen Alters selbst praktisch im Schweißen ausprobieren. Mit einem großen Vorteil: völlig gefahrlos. Denn es entstehen weder Hitze und zu helle Blitze noch Schmutz oder gar giftige Dämpfe.

Hilmar Schönitz ist überzeugt vom Nutzen der neuen Geräte: „Die Geräte ersetzen natürlich nicht das reale Schweißen hier in der Werkstatt. Aber beispielsweise können in der Erstausbildung hervorragend die Grundtechniken eingeübt werden. Der Ausbilder hat deutlich mehr Möglichkeiten, die Verfahren zu variieren und Fehler der Teilnehmer zu korrigieren. Man kann sich beispielsweise in aller Ruhe die Arbeit am Bildschirm anschauen und dabei eine falsche Handstellung, zu große Entfernung zum Werkstoff oder unsaubere Linienführungen wesentlich besser erkennen und korrigieren als in der Schweißkabine. Und wir sparen dabei Energie und Material.“ In der Vorbereitung von Schweißerprüfungen soll das Gerät ebenfalls eingesetzt werden.

Künftig machen auch die Schüler, die das BBZ zum Praktikum besuchen, um die Schweißwerkstätten keinen Bogen mehr. Die Arbeiten mit echten Schweißgeräten sind für die Jugendlichen zu gefährlich. „in der Berufsorientierung erwarte ich einen deutlichen Schub an interessierten Jungen und Mädchen, weil es einfach spannend ist, sich an einem solchen Gerät auszuprobieren“, so Schönitz.
Allein schon der Helm wird die Jugendlichen begeistern. Denn der dient mit der integrierten Blickkamera nicht dem Schutz, sondern überträgt ein realitätsnahes Schweißbild vor die Augen des Teilnehmers.

Die Handwerkskammer Erfurt investierte für die beiden Geräte insgesamt 72.000 Euro. Das Bundesinstitut für berufliche Bildung (BIBB) förderte die Ausgabe mit 60 Prozent und das Land Thüringen mit 10 Prozent der Kosten.