Baustelle
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Lieferenzpässe und Preissteigerungen bei Roh- und Baustoffmaterialien

Thüringer Handwerk drängt auf Unterstützung der Politik

Nachdem der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) bereits das Gespräch mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier über die anhaltenden Hilferufe aus dem Bauhauptgewerbe und dem Bereich Sanitär, Heizung, Klima gesucht hat, wendet sich das Thüringer Handwerk in einem am heutigen Freitag (21. Mai) verschickten Brandbrief an Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee sowie die Fraktionsvorsitzenden im Thüringer Landtag. „Die Materialknappheit bei Baustoffen wie Holz, Stahl, Farben, Dämm- und Kunststoffen und die damit verbundene Materialpreiserhöhung sind zu einem gravierenden Problem für viele Handwerksbetriebe geworden. Bisher relativ glimpflich durch die Krise gekommen, drohen die Branchen jetzt in eine verzögerte tiefgreifende Krise zu rutschen und damit zu einer echten Konjunkturbremse zu werden. Der wirtschaftliche Neustart ist in Gefahr“, betonen die Verantwortlichen des Thüringer Handwerkstags e.V., Präsident Stefan Lobenstein und Geschäftsführer Thomas Malcherek.

Die Konsequenzen der Lieferengpässe und Preissteigerungen bei Roh- und Baustoffmaterialen sind groß: Baumaßnahmen geraten ins Stocken, vielen Projekten droht sogar ein Baustopp, obwohl die Auftragsbücher gut gefüllt sind. Vertragsstrafen bilden eine reale Gefahr für viele Betriebe. Zudem können sie wegen des volatilen Preismarktes nur noch Tagesangebote erstellen. Preissteigerungen müssen zum Kunden durchgereicht werden, was für Verunsicherung und Frustration sorgt. Und weil die Preisentwicklung derzeit nicht planbar ist, schrecken viele Betriebe vor einer Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen ab, was zu Verzögerungen bei öffentlichen Bauprojekten führt.

Belastende Faktoren aus dem Weg räumen

Um die Herausforderungen in Angriff nehmen und geeignete Gegenmaßnahmen entwickeln zu können, muss auf EU-, Bundes- und Landesebene eng zusammengearbeitet und verbindliche Absprache getroffen werden. In diesem Zuge bittet das Thüringer Handwerk die Landespolitik nun um eine umfassende Unterstützung. „Alle der Politik zur Verfügung stehenden Instrumente müssen rasch eingesetzt werden, um belastende Faktoren aus dem Weg zu räumen. Es muss dringend geholfen werden“, betont THT-Präsident Stefan Lobenstein.

Ganz konkret bedeutet das: Laut Thüringer Handwerk müsse Einvernehmen darüber herrschen, dass die Betriebe in der aktuellen Situation nicht mit Vertragsstrafen überzogen und Regeln zum Kurzarbeitergeld wie auch zur Stundung von Sozialversicherungsbeiträgen verlängert werden. Außerdem komme den öffentlichen Auftraggebern eine zentrale Vorbildfunktion zu. „Bei öffentlichen Ausschreibungen und daraus resultierenden Aufträgen müssen Preisgleitklauseln angewendet werden. Diese ermöglichen den Handwerksbetrieben, Tagespreise statt vereinbarte Angebotspreise abzurechnen“, fordert der THT. Damit müssten die Betriebe die gestiegenen Materialpreise nicht allein stemmen, sondern würden teilweise entlastet und ermutigt, öffentliche Aufträge wahrzunehmen.