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HWK EF

Konjunktur im Handwerk bleibt weiter auf Kurs

Demografie verschärft Fachkräftemangel und Nachfolgeproblematik

„Das Konjunkturhoch hält an. Die Handwerksbetriebe in Nord- und Mittelthüringen bewerten die aktuelle Geschäftslage weiterhin sehr positiv. 95 Prozent der Betriebe schätzen im ersten Jahresquartal ihre aktuelle Geschäftslage als gut oder befriedigend ein. Die Zufriedenheitswerte der Unternehmen haben sich damit im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres noch einmal leicht verbessert“ verkündete Stefan Lobenstein, Präsident der Handwerkskammer Erfurt, am 3. Mai im Rahmen der FrühjahrsPressekonferenz im Erfurter Gildehaus. 

Viele positive Geschäftslagebeurteilungen gibt es weiterhin im Bau- und Ausbauhauptgewerbe, dazu zählen beispielsweise Elektrosowie Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnikbetriebe. Auch das Handwerk für den gewerblichen Bedarf (u. a. Feinwerkmechaniker, Metallbauer) zeigt sich mehrheitlich zufrieden. Deutlich positiver als in den Vorjahren schätzt das Nahrungsmittelhandwerk die Lage ein. Ausschlaggebend für die gute Stimmung sind die von Konsumenten verstärkte Nachfrage nach regionalen Produkten sowie die gestiegene Beliebtheit von mobilen Verkaufsständen mit warmen Theken. Die hohe Nachfrage nach handwerklichen Dienstleistungen lässt die durchschnittliche Auslastung in Wochen weiter steigen. In den Ausbaugewerken liegt der Auftragsvorlauf aktuell im Schnitt bei 12,5 Wochen. Die Tendenz ist auch im Gesamthandwerk weiterhin steigend.

Die Geschäftserwartungen für das Folgequartal werden ähnlich gut bewertet wie der Status Quo: Die Betriebe im Kammerbezirk Erfurt erwarten eine Steigerung der Beschäftigung um 27,5%, eine Umsatzsteigerung um 25,9%, eine Auftragssteigerung um 29,3% und eine Erhöhung der Verkaufspreise um 41,8%. Die branchenübergreifenden positiven Aussichten erreichten mit der aktuellen Konjunkturumfrage einen neuen Maximalwert.

Somit bleibt der Wirtschaftszweig Handwerk Nord- und Mittelthüringen ein wichtiger Träger der Gesamtwirtschaft. Die Herausforderungen für die Mitgliedsbetriebe bestehen in der Bindung und Gewinnung von Fachkräften sowie der stetigen Entwicklung des Auftragsvorlaufes.

Entsprechend dem bundesweiten Trend steht auch das Handwerk der Region vor einem dramatischen Wandel seiner Bevölkerungsentwicklung. In den kommenden Jahrzehnten wird nicht nur die Bevölkerungszahl deutlich zurückgehen, vielmehr verschiebt sich auch der Altersaufbau der Bevölkerung stark: Immer mehr alte Menschen werden immer weniger jungen Menschen gegenüberstehen, die Bevölkerung schrumpft und überaltert.

Die Handwerkskammer Erfurt hat aktuell 14.121 Mitgliedsbetriebe. Mehr als ein Drittel ihrer Inhaber hat das 55. Lebensjahr bereits erreicht und muss sich mit der Unternehmensnachfolge auseinandersetzen. Die Altersstrukturen der Betriebsinhaber in den einzelnen Landkreisen in Mittel- und Nordthüringen ähneln sich grundsätzlich. Trotz der gleichen Verteilung der Altersstruktur den einzelnen Regionen stehen die Landkreise zukünftig vor unterschiedlichen Herausforderungen. Während beispielsweise Erfurt in den letzten 19 Jahren aufgrund der Urbanisierung und der Zuwanderung ein Bevölkerungswachstum von 4,3% aufweisen kann, ist der Kyffhäuserkreis von einem rasanten und starken Bevölkerungsschwund (-20,7%) gekennzeichnet. Diese Entwicklung beeinflusst die Anzahl der Fachkräfte in Landkreisen mit Bevölkerungszuwachs positiv, in Landkreisen mit Bevölkerungsschwund negativ. Das gleiche zeichnet sich für die Zahl der möglichen Unternehmensnachfolgen ab. Laut Prognosen des Thüringer Landesamts für Statistik wird sich dieser Trend bis 2030 fortsetzen.

Aus dem Rückgang der Bevölkerung und dem sich ändernden Altersaufbau ergeben sich zahlreiche Herausforderungen für das Handwerk: Dazu zählen die Regelung der Betriebsnachfolge, die Sicherung des Bedarfs an Auszubildenden und Fachkräften, der Umgang mit alternden Belegschaften und die Anpassung an veränderte Nachfragestrukturen.