Keine Messen JOBfinder und Forum Berufsstart wie im Jahr 2019: Angesichts der zweiten Corona-Welle wurden diese Maßnahmen und Messen im November ausgesetzt. Es besteht die Gefahr, dass ein ganzer Jahrgang von der Berufsorientierung ausgeschlossen wird.
HWK EF
Keine Messen JOBfinder und Forum Berufsstart wie im Jahr 2019: Angesichts der zweiten Corona-Welle wurden diese Maßnahmen und Messen im November ausgesetzt. Es besteht die Gefahr, dass ein ganzer Jahrgang von der Berufsorientierung ausgeschlossen wird.

Ausbildungsbetriebe finanziell entlasten

12. November 2020

Die Ausbildung junger Menschen ist für das Handwerk überlebenswichtig. Die Lehrlinge von heute sind die Fachkräfte von morgen. Sie bringen sich mit ihrem Wissen in die rund 14.000 Betriebe in Nord- und Mittelthüringen ein, haben nach einigen Berufsjahren häufig eine verantwortungsvolle Führungsposition inne oder übernehmen das Unternehmen gar. „Ohne die Ausbildung gerät das System Handwerk ins Wanken“, betont der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Erfurt, Thomas Malcherek.

Aus diesem Grund unterstützt die Handwerkskammer Erfurt die Initiative der Europäischen Kommission, die derzeit mit der „Europäischen Woche der Berufsbildung“ auf die Vorzüge der beruflichen Aus- und Weiterbildung in Europa aufmerksam macht. „Gerade im Bereich der dualen Ausbildung nimmt Deutschland seit Jahrzehnten eine Vorreiterrolle ein. Wenn sie sich wichtigen Themenfeldern wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit annimmt, wird sie auch in Zukunft wegweisend sein und exzellente Fachkräfte hervorbringen“, so Malcherek. 

Bundesprogramm nachjustieren

Um dieses wichtige Ziel zu erreichen, brauche es auch politische Unterstützung – gerade in der aktuellen Corona-Pandemie, durch die die Bedeutung der Berufsausbildung für den Kammerbezirk Erfurt, aber auch für den Wirtschaftsstandort Deutschland insgesamt noch deutlicher geworden ist. „Zahlreiche Handwerksberufe gelten als systemrelevant. Weil sie dual ausgebildet werden, müssen die Betriebe unbedingt dazu ermutigt werden, ihre Ausbildungsbereitschaft trotz der wirtschaftlichen Herausforderungen aufrechtzuerhalten“, sagt Thomas Malcherek. Er spricht sich dafür aus, von der Pandemie gebeutelte Ausbildungsbetriebe zu unterstützen und vor allem Klein- und Kleinstausbildungsbetriebe finanziell zu entlastet. In diesem Zusammenhang fordert er die zügige Nachjustierung des Bundesprogramms „Ausbildungsplätze sicher“ und setzt sich dafür ein, spürbare Entlastungen bei den Ausbildungskosten zu schaffen, etwa bei der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung und der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung sowie der Unfallversicherung.

Daneben müsse sich der Blick – trotz der Krisensituation – wieder verstärkt auf potenzielle Auszubildende richten. Ursprünglich sollte die wegen der Corona-Pandemie entfallene Berufsorientierung im ersten Halbjahr 2020 zu Beginn des neuen Schuljahres nachgeholt werden. Auch die Berufsmessen JOBfinder und Forum Berufsstart waren auf den Herbst verschoben worden. Angesichts der zweiten Welle müssen diese Maßnahmen und Messen aber auch im November ausgesetzt werden. „Dadurch wird ein ganzer Jahrgang von der Berufsorientierung ausgeschlossen. Potenzielle Auszubildende haben keine Chance, sich über ihre Karriere im Handwerk zu informieren“, kritisiert Thomas Malcherek.

Berufsorientierung ermöglichen

Er befürchtet harte Konsequenzen für das Handwerk: In den Abschlussklassen werden sich vermutlich noch weniger Schüler für einen der über 130 Berufe im Handwerk interessieren. Die Zahl der Auszubildenden geht im schlimmsten Fall weiter zurück, die Situation des Fachkräftemangel verschärft sich, was sich bis in die Unternehmensnachfolge hinein schädlich auswirkt. Der Chef der Handwerkskammer Erfurt drängt daher darauf, die Berufsorientierung mit sofortiger Wirkung wieder zuzulassen. „Sie kann unter strengen Hygienemaßnahmen stattfinden, in kleinen Gruppen mit räumlicher Trennung, dem verpflichtenden Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes und der regelmäßigen Handdesinfektion“, so Malcherek.