Im Bauhaupt- und Ausbaugewerbe fällt die Betroffenheit durch die Corona-Krise bislang noch gering aus. Die Experten rechnen jedoch damit, dass sich die Folgen möglicherweise mit einer Zeitverzögerung bemerkbar machen.
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Im Bauhaupt- und Ausbaugewerbe fällt die Betroffenheit durch die Corona-Krise bislang noch gering aus. Die Experten rechnen jedoch damit, dass sich die Folgen möglicherweise mit einer Zeitverzögerung bemerkbar machen.

Lockdown bremst das Handwerk aus

22. April 2021

Frühjahrs-Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Erfurt:
Ein Viertel der Betriebe mit schlechter Geschäftslage

Es ist ein herber Einschnitt, den das Nord- und Mittelthüringer Handwerk derzeit erlebt: In der traditionellen Frühjahrs-Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Erfurt bewertet ein Viertel der befragten Betriebe die aktuelle Geschäftslage mit der Note „schlecht“. Im gleichen Zeitraum des Jahres 2020 lag dieser Wert noch bei 17 Prozent (2019: 94 Prozent). Knapp die Hälfte (47 Prozent) der Betriebe bestätigt zudem, dass der Umsatz geringer ausfiel als vor einem Jahr. Die Corona-Pandemie sei der alles beherrschende Faktor, wie Kammerpräsident Stefan Lobenstein und Hauptgeschäftsführer Thomas Malcherek berichten. „Im Verhältnis zu anderen Bereichen ist das Handwerk bisher zwar moderat durch die Krise gekommen. Aber auch uns geht jetzt die Puste aus“, alarmieren sie.

Vor dem Scherbenhaufen

Die einzelnen Gewerke sind weiterhin unterschiedlich stark von der Krise betroffen. So fallen beispielsweise die Auswirkungen im Bauhaupt- und Ausbaugewerbe (91 Prozent bzw. 85 Prozent mit „guter“ oder „befriedigender“ Geschäftslage) bislang noch gering aus und werden sich möglicherweise erst mit einer Zeitverzögerung bemerkbar machen. Während der Großteil dieser Gruppe weitgehend im Normalbetrieb arbeitet, stehen viele Unternehmer aus anderen Gewerken vor dem Scherbenhaufen ihrer wirtschaftlichen Existenz. Am häufigsten von Umsatzrückgängen betroffen sind die Gesundheitshandwerke (74 Prozent), die Personenbezogenen Dienstleistungshandwerke (73 Prozent) und das Kfz-Handwerk (64 Prozent). Vor allem dem Gesundheitshandwerk macht der drastische Einbruch der Auftragsbestände und einhergehende Umsatzrückgänge zu schaffen.  Knapp drei Viertel der Unternehmen sind betroffen. Im KFZ-Bereich wirken sich rückläufige Umsatzzahlen sogar dahingehend aus, dass ein Viertel der Betriebe bereits sinkende Beschäftigungszahlen meldet.

Pessimistische Prognose

Die Betriebe blicken mit Sorge in die Zukunft, die Verunsicherung über den weiteren Pandemie-Verlauf bleibt hoch. Vier von fünf Betrieben hegen „befriedigende“ bis „schlechte“ Erwartungen an die künftige Geschäftslageentwicklung. Infolgedessen erwartet das heimische Handwerk gleichbleibende bis sinkende Umsätze, Investitionen sollen zurückgestellt werden. „Unsere Betriebe müssen auch in den kommenden Monaten im Krisenmodus arbeiten“, fasst Stefan Lobenstein die Lage zusammen.

Eine Klimaaufhellung kann in dem nur schwer erfassbaren Konjunkturumfeld derzeit nicht prognostiziert werden. Mit dem Fortschreiten der Impfungen, einer flächendeckenden Nutzung von Schnelltests und einem rückläufigen Infektionsgeschehen könnte sich allerdings im Gesamthandwerk mittel- bis langfristig ein positives Entwicklungsszenario einstellen. „Wir gehen jedoch nicht davon aus, dass der überwiegende Teil der Handwerksbetriebe an die konjunkturelle Hochphase, die wir vor Corona hatten, anknüpfen kann“, so Lobenstein.