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Konjunktur zum Jahresauftakt

Nord- und Mittelthüringer Handwerk weiter auf Höhenflug

„Die Handwerksbetriebe des Kammerbezirkes Erfurt befanden sich im Jahr 2017 in bester Stimmung. Die gute binnenwirtschaftliche Entwicklung, die wachsende Erwerbstätigkeit und das günstige Zinsumfeld beflügelten die Konjunktur im Handwerk. Insbesondere die Gewerke des Bauhaupt- und Ausbaugewerbes sowie die Handwerke des gewerblichen Bedarfs befinden sich auf einem Allzeithoch“, sagte Stefan Lobenstein, Präsident der Handwerkskammer Erfurt, am 10. Januar 2018, bei der Jahresauftakt-Pressekonferenz im Erfurter Gildehaus.

Die Geschäftslage im vergangenen Jahr wurde in allen handwerklichen Gewerbegruppen positiv eingeschätzt. 97 Prozent der Betriebsinhaber waren 2017 mit ihrer Geschäftslage zufrieden. Dies stellt gegenüber dem Vorjahr nochmals eine Verbesserung dar. Damit wurde 2017 ein neuer Höhepunkt in der Geschäftslageeinschätzung erreicht. Die positiven Lagebewertungen der Betriebe werden insbesondere von Umsatzzuwächsen in den Gewerbegruppen des Bauhaupt- und Ausbaugewerbes sowie den Handwerken für den gewerblichen Bedarf begleitet.

Für das Jahr 2018 fallen die Geschäftserwartungen der Betriebe entsprechend optimistisch aus. 91 Prozent der Betriebe gehen von einer konstanten oder positiven Beschäftigungsentwicklung aus. Im laufenden Jahr kann mit einem moderaten Beschäfti-gungsaufbau im Gesamthandwerk gerechnet werden. Somit bleibt der Wirtschaftszweig Handwerk in Thüringen ein wichtiger Träger der Gesamtwirtschaft. Die Herausforderungen für die Mitgliedsbetriebe bestehen in der Bindung und Gewinnung von Fachkräften sowie der stetigen Entwicklung des Auftragsvorlaufes, welcher sich im Bau- und Ausbaugewerbe aktuell bei 12 Wochen und mehr befindet.

Anzahl der Meisterabsolventen in Thüringen ging um 28 Prozent zurück

Während die aktuelle Hochkonjunktur der Thüringer Wirtschaft auf den ersten Blick erfreut, offenbart sie zugleich die zunehmenden strukturellen Probleme im Freistaat. 22.000 Stellen blieben im vergangenen unbesetzt. Laut einer aktuellen Umfrage des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung geben 35 Prozent der Thüringer Unternehmer an, zunehmende Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen zu haben.

Die Entwicklungen sind auch im Handwerk spürbar. „Fähiges Personal ist am Arbeitsmarkt Mangelware. Bei der guten Auftragslage wird das für viele Handwerksbetriebe zum Engpassfaktor und hemmt die vorhandenen Wachstumspotenziale“, fasst Stefan Lobenstein, Konditormeister und Präsident der Handwerkskammer Erfurt, die aktuelle Lage zusammen.

Um Zahl der erfolgreichen Betriebsübernahmen und Existenzgründungen zu erhöhen, bedarf es gut qualifizierter Nachfolger. Das etablierte und anerkannte Siegel im Handwerk ist der Meisterbrief. Er ist ein statistisch nachweisbarer Garant für erfolgreiches Wirtschaften und die Grundvoraussetzung, um selbst ausbilden zu können.

Doch die Entwicklung der Meisterabsolventen in Nord- und Mittelthüringen ist rückläufig, ebenso die Entwicklung von Selbständigkeiten. In den vergangenen 10 Jahren hat sich die Zahl der Jungmeister in Nord- und Mittelthüringen um 28 Prozent reduziert (2007: 278; 2017: 200). Die Ursachen liegen in der demografischen Entwicklung, der Akademisierung der Gesellschaft und der Abschaffung der Meisterpflicht in 53 Gewerken (2004).

Thüringen hängt im bundesweiten Vergleich mit seiner Meisterprämie zurück

Das Thüringer Handwerk fordert seit Langem ein Umdenken. Allmählich beginnt die Politik gegenzusteuern. Seit dem vergangenen Jahr erhalten angehende Meister in Thüringen erhöhte Zuschüsse über das Aufstiegsfortbildungsgesetz (AFBG), besser bekannt als MeisterBAföG. Zudem fördert das Wirtschaftsministerium seit 2017 die jahrgangsbesten Meisterprüfungsabsolventen jedes Gewerks in jedem Kammerbezirk mit einer Meisterprämie in Höhe von 1.000 Euro. Ein erster wichtiger Schritt der Landesregierung in die richtige Richtung, auch wenn Thüringen mit dieser Einmalzahlung deutlich hinter anderen Bundesländern zurückliegt.

Bayern und Mecklenburg-Vorpommern vergeben einen Meisterbonus in Höhe von 1.000 Euro an jeden Meisterabsolventen. Der niedersächsischen Landesregierung sind ihre Meister eine Prämie 4.000 Euro Prämie Wert. In anderen Bundesländern hat sich das Modell der Meistergründungsprämie durchgesetzt: Berlin und Nordrhein-Westfalen vergeben einen Zuschuss von rund 7.000 Euro an gründungs- und übernahmewillige Jungmeister. Bei Schaffung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen kommen weitere 5.000 Euro obendrauf. Sachsen-Anhalt lockt junge Meister sogar mit 10.000 Euro Zuschuss in die Selbstständigkeit.

Die Thüringer Meisterprämie in Höhe von 1.000 Euro, die ausschließlich an die besten Jungmeister vergeben wird, wirkt da wie ein Tropfen auf den heißen Stein. „Die Landesregierung ist gefordert, sich im Bund für eine Ausweitung des AFBG einzusetzen und mit Landesmitteln ihre Wertschätzung eines jeden Thüringer Meisters zum Ausdruck zu bringen“, fasst Lobenstein den Appell in Richtung Wirtschaftsministerium zusammen. „Sich fortzubilden muss bezahlbar sein. Wir werden hier nicht locker lassen und uns weiter für den Handwerkernachwuchs stark machen.“