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Handwerkskammer Erfurt ehrte Goldmeister

65 Altmeister erhielten erhielten Jubiläums-Meisterbriefe

Lebensgeschichten und Wiedersehensfreude

Zu erzählen gibt es jedes Mal sehr viel. Wenn die Altmeister 50 Jahre nach ihrer Meisterprüfung zusammen kommen, dann wird sehr viel gefachsimpelt, über Erfahrungen berichtet und werden Lebensläufe ausgetauscht. Die gestrige Übergabe der Goldenen Meisterbriefe der Handwerkskammer Erfurt war wieder so ein Moment. 65 Altmeister kamen ins Berufsbildungszentrum und wurden im Rahmen einer Feierstunde für ihre Lebensleistungen geehrt. In 28 verschiedenen Handwerksberufen, darunter auch Berufe wie Tapezierer, Schuhmacher, Klempner oder Schmied, hatten die Frauen und Männer vor 50 Jahren ihre Meisterprüfungen vor einem Prüfungsausschuss der Handwerkskammer Erfurt abgelegt.

 Neben den „Goldenen Meisterbriefen“ wurden auch zwei Urkunden für das 60-jährige Meisterjubiläum an Rolf Köcher und Gerhard Woiwode überreicht. Kfz-Mechanikermeister Gerhard Woiwode erhielt von Kammerpräsident Stefan Lobenstein die Urkunde überreicht. Rolf Köcher ist Tischlermeister und bestand ebenfalls vor 60 Jahren seine Meisterprüfung. Außerdem hatten Gerhard Heyn (links) und Eckhardt Müller vor 50 Jahren gleich zwei Meisterprüfungen abgelegt; im Klempnerhandwerk und im Gas-Wasserinstallateurhandwerk.

Die meisten Altmeister blicken auf ein bewegtes selbständiges Berufsleben zurück, das zu DDR-Zeiten mit staatlichen Höhen und Tiefen und nach der Wende mit wirtschaftlichen Höhen und Tiefen verbunden war. Darauf ging Kammerpräsident Stefan Lobenstein in seiner Rede ein und würdigte die Kraft, den Mut und die Hoffnung, die vor 50 Jahren viele der damals jungen Handwerksmeister gezeigt haben und sich in die Selbständigkeit wagten. Sie alle hätten mit ihrem Wirken an der Geschichte der Handwerkskammer mitgeschrieben.

Lobenstein ging auch auf die staatlichen Gängelungen ein, die das selbständige Handwerkerleben in den DDR-Jahren erschwerten. Mit der Wende seien dann von einem auf den anderen Tag ganz neue Herausforderungen auf die Betriebe zugekommen, so Lobenstein. Aus seinem eigenen Berufsleben als Unternehmer und Ausbilder wisse er, dass gerade traditionelle Werte wie Menschlichkeit, Kollegialität, soziale Verantwortung, Ehrlichkeit oder Fleiß, mit denen die ältere Generation groß geworden seien, heute wichtiger denn je seien. Diese Werte hielten ein Gemeinwesen zusammen. Das Handwerk sollte daher nicht aufhören, sie von jeder Generation immer wieder zu fordern und selbst vorzuleben.

Zu den großen Stärken des Handwerks gehört laut Lobenstein die hohe Qualität der Arbeit und Produkte, die mit dem Meisterbrief eng verbunden seien. Dieses Zeugnis und die damit verbriefte Qualität seien wichtige Pluspunkte der regionalen Handwerkswirtschaft im globalen Wettbewerb. Daher sehe es nach wie vor kritisch, dass 2003 die Meisterpflicht für 53 Handwerke abgeschafft worden sei.