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Große Hürden für kleine Handwerksbetriebe

HWK Erfurt hofft auf Nachbesserung des Bundesprogramms "Ausbildungsplätze sichern"

18. August 2020

Die Handwerkskammer Erfurt steht dem Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“, das ab sofort bei der Bundesagentur für Arbeit beantragt werden kann, differenziert gegenüber. „Grundsätzlich ist ein solches Programm unerlässlich, um den Auswirkungen der Corona-Pandemie insbesondere auf den Ausbildungsmarkt entgegenzutreten. Wir befürchten aber, dass es für das Handwerk in Nord- und Mittelthüringen große Hürden darstellt“, sagt der Präsident der Handwerkskammer Erfurt, Stefan Lobenstein.

Die Initiative, die Ende Juni dieses Jahres vom Bundeskabinett auf den Weg gebracht wurde, stellt Finanzhilfen für krisenbetroffene, aber eigentlich ausbildungswillige Kleinst- und Kleinbetriebe mit bis zu 249 Mitarbeitern in Aussicht. Kleine und mittlere Betriebe, die trotz Kurzarbeit oder massiver Umsatzeinbußen weiterhin in einem Umfang ausbilden wie in den Vorjahren, erhalten eine Ausbildungsprämie in Höhe von 2.000 Euro. Für Firmen, die ihre Ausbildungsplätze in dieser Lage sogar aufstocken, ist eine Prämie von 3.000 Euro geplant.

Schon früh in der Pandemie hat sich die Handwerkskammer Erfurt dafür stark gemacht, Ausbildungsbetriebe zu entlasten. „Ihre Leistungen müssen unbedingt anerkannt und wertgeschätzt werden. Schließlich ist die Ausbildung mit einem erheblichen Aufwand, sowohl finanziell als auch organisatorisch, verbunden“, betont Stefan Lobenstein. Anders als gewünscht würde das neue Bundesprogramm die förderberechtigten Unternehmen jedoch vor ein komplexes und nur schwer nachvollziehbares Antragsverfahren – und damit vor eine neue Hürde – stellen. „Zahlreiche Ausschlusskriterien und Nachweispflichten machen es schwer, den Überblick zu behalten. Wir hätten uns gewünscht, dass die Unterstützung bürokratieärmer und zielgenauer wäre und auch mit Hilfe digitaler Werkzeuge umgesetzt werden könnte“, sagt der Kammerpräsident. Auch die Vergabe der Mittel nach der Reihenfolge des Antragseingangs beurteilt er als problematisch.

Damit sich das Bundesprogramm positiv auf die Ausbildungsmarktsituation im Handwerk in Nord- und Mittelthüringen auswirken kann, müsse es schnellstmöglich nachgebessert werden. „Die Förderbedingungen beim Zugang zur Ausbildungsprämie müssen abgesenkt werden. Gerade Betriebe, die ihre Mitarbeiter und Lehrlinge ohne Kurzarbeit durch den Lockdown gebracht haben und erhebliche Umsatzeinbußen hatten, dürfen nicht leer ausgehen und für ihr Engagement bestraft werden“, sagt Stefan Lobenstein. Außerdem machte er darauf aufmerksam, dass viele Gewerke die ökonomischen Auswirkungen der Corona-Krise erst zeitversetzt zum Jahresende spüren würden: „Ausbildungsbetriebe, die erst in den kommenden Monaten von der pandemiebedingten Konjunkturkrise betroffen sein werden, sind zum jetzigen Zeitpunkt aber von der Ausbildungsprämie ausgeschlossen.“

Trotz oder gerade wegen der Corona-Krise müsse die Ausbildung im Handwerk aktuell oberste Priorität haben. Durch sie gewinnen die Betriebe die Fach- und Führungskräfte von morgen, sichern damit ihre eigene Zukunft ab und leisten darüber hinaus einen wertvollen Beitrag für den Fortbestand des Handwerks in Nord- und Mittelthüringen. „In den schwierigen vergangenen Wochen wurde deutlich, dass das Handwerk eine stabile Säule der Wirtschaft Thüringens und Deutschland ist. Dementsprechend darf es jetzt nicht aus dem Fokus verschwinden. Wir dürfen nicht zulassen, dass der sowieso schon gravierende Fachkräftemangel noch größer wird und Deutschland seinen Vorzeigestatus in der dualen Ausbildung verliert“, alarmiert Stefan Lobenstein.