Einsatz in Persönlicher Schutzausrüstung: Im Arbeitsalltag setzt Chefin Susanne Deininger auf Sicherheit und Teamwork.
Mit Mut in die Männerdomäne
26. Juni 2026
Nach Jahren beim Radio hat sich Susanne Deininger in der Baubranche behauptet
Als Frau, insbesondere als blonde Frau, war es nicht immer leicht auf dem Bau“, sagt Susanne Deininger. Die 47-Jährige musste gegen das ein oder andere Vorurteil kämpfen – und sich den Respekt der Branche erst erarbeiten. „Ich habe hier und da schon zu hören bekommen, dass ich mich ins gemachte Nest setze“, sagt sie über die Unternehmensgruppe, die ihr Vater aufgebaut hat.
Sie ließ sich nicht beirren – und ist heute Geschäftsführerin der KTW Kunststoff-Technik GmbH in Mellingen. Mit familiärer Unterstützung verantwortet sie seit dem vergangenen Jahr drei Firmen. „Ich hatte vorher schon Prokura und Führungsverantwortung. Deshalb hat sich für mich gar nicht so viel verändert.“
Vom Radio auf die Baustelle
Dabei begann ihr Berufsleben ganz anders. Susanne Deininger studierte Medienwissenschaften, Germanistik und Sportwissenschaften und arbeitete viele Jahre als Reporterin und Redakteurin bei Antenne Thüringen. Sie produzierte Beiträge, führte Interviews, erzählte Geschichten.
Die entscheidende Wende kam während der Elternzeit mit Tochter Ella. Mit etwas Abstand vom Redaktionsalltag stellte sie sich die Frage, wie ihr beruflicher Weg langfristig aussehen sollte. Gleichzeitig beschäftigte ihren Vater die Zukunft seiner Unternehmen. Die Entscheidung fiel schließlich im Familienkreis – bei der Goldenen Hochzeit der Großeltern, im Gespräch mit ihrem Vater an der Bar und später bis tief in die Nacht mit ihrem Mann. Am Ende stand fest: Sie steigt in die Unternehmensgruppe ihres Vaters ein. Selbst der Steuerberater hat ihr Mut gemacht. „Er hat mir gesagt, dass ich es schaffen kann.“
2013 begann sie, sich Schritt für Schritt in die neue Aufgabe einzuarbeiten. Technisches Vorwissen brachte sie nicht mit. „Ich bin kein Ingenieur“, sagt sie offen. Stattdessen setzte sie auf „Lernen im Arbeitsalltag: zuhören, nachfragen, mitschreiben“. Heute wird sie von vier Ingenieuren unterstützt, ihr Vater steht ihr weiterhin beratend zur Seite. Gemeinsam mit 40 Beschäftigten verantwortet sie anspruchsvolle Projekte in der Betoninstandsetzung sowie im Bereich Abdichtung und Beschichtung im Hochbau.
Verantwortung für Team und Projekte
Ein wichtiger Geschäftszweig ist die Sanierung von Windenergieanlagen. Rund 15 Prozent der Aufträge betreffen die Instandsetzung von Fundamenten, die nach etwa 20 Jahren erneuert werden müssen. Dafür ist das Unternehmen bundesweit sowie in Frankreich, Österreich, der Schweiz und Tschechien im Einsatz.
Neben technischen und organisatorischen Aufgaben spielt die Kommunikation für Susanne Deininger eine zentrale Rolle. Von ihrer Zeit beim Radio profitiert sie bis heute. Sie verantwortet unter anderem den Außenauftritt der Unternehmensgruppe, begleitet die Personalgewinnung und wirbt auf Messen und in Schulen für die Branche. Denn qualifizierte Fachkräfte zu finden, gehört auch im Bauhandwerk zu den größten Herausforderungen.
Vorbild für Frauen
Einst selbst Mentee im Programm „Frauensache“, engagiert sich Susanne Deininger heute als Mentorin. Damit ist sie Ansprechpartnerin für Frauen, die ihren Weg im Handwerk suchen. „Ich möchte Mut machen, dass noch mehr Frauen einen ähnlichen Weg gehen – und sich auch in einer Männerbranche behaupten. Auch wenn ich am Anfang mit Vorurteilen begleitet wurde“, sagt sie. Dafür brauche es vor allem Selbstvertrauen, Durchhaltevermögen und die Bereitschaft, den eigenen Weg konsequent zu gehen. „Mir war es immer wichtig, sichtbar zu sein und Kompetenz zu beweisen. Dann wird man auch ernst genommen.“
Für Susanne Deininger war der Wechsel vom Radio in die Baubranche eine der wichtigsten Entscheidungen ihres Lebens. Bereut hat sie sie nie. „Es gibt viel zu tun – aber ich mache es gerne. Es hängt mein Herz daran.“