Pablo Banzer Schmitt
Das Moussetörtchen „Dubai-Deluxe“ mit Pistazienmousse, Himbeerkern, Orangenblütenganache und Engelshaarknusper ist während der Meisterprüfung von Katharina Pfeifer entstanden.

Vom Klassenzimmer in die Backstube

07. August 2026

Statt Sport und Geografie zu unterrichten, bereitet Katharina Pfeifer ihre Selbstständigkeit im Konditorhandwerk vor

Mit Mitte 30 begann Katharina Pfeifer noch einmal von vorn: Statt Schülerinnen und Schüler zu unterrichten, lernte sie, Torten und Patisserie professionell herzustellen. Die heute 39-Jährige gab ihren sicheren Lehrerberuf auf – trotz zweier kleiner Kinder und eines laufenden Hauskredits. Mittlerweile ist sie Konditormeisterin und bereitet den Schritt in die Selbstständigkeit vor.

Dass sie einmal im Handwerk arbeiten würde, war lange nicht geplant. Nach dem Abitur studierte die Frau aus Winterstein im Landkreis Gotha Lehramt und unterrichtete nach dem Referendariat sieben Jahre lang Sport und Geografie – zunächst an einem Gymnasium in Hessen, später in Friedrichroda.

Gebacken hat Katharina Pfeifer allerdings schon immer gern. Während ihrer ersten Elternzeit entstanden Torten für Familienmitglieder und Freunde. „Ich habe mein Herz daran verloren und wollte immer besser werden“, sagt sie. In der zweiten Elternzeit wurde der Gedanke konkreter, die Leidenschaft zum Beruf zu machen. Nach zwei weiteren Jahren als Lehrerin bewarb sie sich in einem Konditoreibetrieb. Eine Probewoche in den Herbstferien 2021 überzeugte sie endgültig. „Ich war Feuer und Flamme und habe dann all meinen Mut zusammengenommen. Manche Chancen kommen nur einmal im Leben.“

Zurück auf die Schulbank

Die Schulleitung akzeptierte ihren Wechsel trotz Fachkräftemangels. Statt zu unterrichten, saß die Lehrerin nun selbst wieder auf der Schulbank. Als Älteste der Berufsschulklasse brachte sie andere Erfahrungen mit als ihre Mitschüler. „Ich hatte tolle Lehrer und Ausbilder, die mich auf Augenhöhe behandelt haben. Das hat vieles erleichtert.“

Ihre Ausbildung absolvierte sie in Teilzeit mit 30 Wochenstunden. 2025 legte sie die Gesellenprüfung bei der Handwerkskammer Erfurt ab und schloss direkt den Meister an. Den theoretischen Teil absolvierte sie in Erfurt, den praktischen in Baden-Württemberg. Für den Ausbilderschein musste sie wegen ihrer pädagogischen Vorbildung nur die praktische Prüfung ablegen.

Der Wechsel ins Handwerk brachte aber auch Veränderungen mit sich. Wochenend- und Feiertagsarbeit mussten mit dem Familienalltag vereinbart werden. „Ohne meinen Mann und unsere Familie hätte das nicht funktioniert. Ich habe großartige Unterstützung von ihnen erfahren“, betont Katharina Pfeifer. Auch finanziell bedeutete die Ausbildung zunächst eine Umstellung, denn auf ihr Lehrergehalt folgte die Ausbildungsvergütung. Für den Meisterkurs erhielt sie zudem kein Aufstiegs-BAföG, da sie bereits ein Studium abgeschlossen hatte. „Das macht den Schritt in die Selbstständigkeit nicht leichter.“

Eigene Auftragskonditorei

Jetzt richtet sich der Blick nach vorn. Unter dem Namen „Goldstücke – Feine Patisserie und Tortenmanufaktur“ möchte sich Katharina Pfeifer im Herbst selbstständig machen. Eine eigene Backstube hat sie bereits in Aussicht, verkauft werden sollen individuelle Torten und feine Patisserie – für Cafés und Privatkunden. Unterstützung erhält sie derzeit von der Existenzgründerberatung der Handwerkskammer Erfurt, die sie bei den nächsten Schritten begleitet.

Besonders gern gestaltet die Konditormeisterin Hochzeitstorten. „Darin steckt viel Herzblut. Man darf einen besonderen Tag im Leben mit seiner eigenen Arbeit begleiten. Das ist doch wunderschön“, sagt sie. Gerade die Verbindung aus Handwerk, Kreativität und persönlichem Kontakt schätzt sie an ihrem neuen Beruf.

Den Schritt aus dem Schuldienst ins Handwerk würde Katharina Pfeifer jederzeit wieder gehen. Heute möchte sie auch anderen Mut machen. „Während meiner Schulzeit waren Handwerksberufe kaum Thema, wir wurden eher zum Studieren animiert. Dabei öffnen sie so viele Möglichkeiten.“