Das Bauhauptgewerbe hat sich stabilisiert: 88,5 Prozent der Betriebe bewerten ihre Lage als gut oder befriedigend, gegenüber 79,7 Prozent im Vorjahr.
Handwerkskonjunktur in Nord- und Mittelthüringen unter Druck: Geschäftsklima fällt unter die 100-Punkte-Schwelle
05. Oktober 2026
Die aktuelle Geschäftslage wird noch mehrheitlich positiv beurteilt. Die Erwartungen sind jedoch deutlich pessimistischer; Kostenbelastung und Investitionszurückhaltung nehmen zu.
Bei der heutigen Pressekonferenz hat die Handwerkskammer Erfurt ihre Daten zur Herbstkonjunktur 2026 veröffentlicht. Sie zeigen: Die Konjunktur im Nord- und Mittelthüringer Handwerk hat sich eingetrübt. 35,1 Prozent der Betriebe bewerten ihre Geschäftslage als gut, 45,7 Prozent als befriedigend. Der Geschäftslageindikator ist gegenüber dem Vorjahr von 83,5 auf 80,8 Punkte gesunken. „Die Betriebe halten im Alltag vieles stabil, aber der Blick nach vorn ist deutlich vorsichtiger. Damit Nachfrage und Investitionen nicht weiter an Schwung verlieren, braucht es verlässliche Rahmenbedingungen“, sagt Stefan Lobenstein, Präsident der Handwerkskammer Erfurt.
Erwartungen deutlich pessimistischer als die aktuelle Lage
Noch deutlicher zeigt sich die Eintrübung beim Blick nach vorn: Der Geschäftsklimaindikator, der die aktuelle Lage und die Erwartungen zusammenführt, ist von 101,65 auf 97,43 Punkte gesunken. Damit liegt er wieder unter der 100-Punkte-Schwelle, die eine positive von einer negativen Konjunkturlage trennt, und erreicht laut Konjunkturbericht seinen niedrigsten Wert seit 2005. Während der Saldo der aktuellen Lage bei plus 15,9 Prozentpunkten liegt, beträgt der Erwartungssaldo minus 18,1 Punkte. Die Differenz von 34 Prozentpunkten macht deutlich, wie viel skeptischer die Betriebe auf die kommenden Monate blicken als auf ihre gegenwärtige Situation.
Kostendruck nimmt zu, Investitionen gehen zurück
Im betrieblichen Alltag gibt es weiterhin stabile Bereiche: 81 Prozent der Betriebe halten ihren Personalbestand konstant. Gleichzeitig melden 50,2 Prozent sinkende Investitionen. Der Kostendruck bleibt hoch. Bei 73,2 Prozent der Betriebe sind die Einkaufspreise gestiegen, während nur 36,3 Prozent ihre Verkaufspreise erhöhen konnten. Viele Betriebe können die gestiegenen Kosten damit nicht vollständig weitergeben.
Die durchschnittliche Auftragsreichweite ist zwar von 8,6 auf 9,8 Wochen gestiegen. Der Mittelwert verdeckt jedoch sehr unterschiedliche Betriebssituationen: Der Anteil der Betriebe, deren Auftragsbestand höchstens eine Woche reicht, hat sich von 8,9 auf 15,3 Prozent erhöht. Zugleich verfügen 18,2 Prozent über Aufträge für mehr als zwölf Wochen.
„Die höhere durchschnittliche Auftragsreichweite ist keine Entwarnung. Die Unterschiede zwischen gut gefüllten Auftragsbüchern und sehr kurzem Auftragsvorlauf werden größer“, sagt Thomas Malcherek, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Erfurt.
Unterschiede zwischen den Gewerken
Auch zwischen den Gewerken zeigt sich ein uneinheitliches Bild. Das Bauhauptgewerbe stabilisiert sich: 88,5 Prozent der Betriebe bewerten ihre Lage als gut oder befriedigend, gegenüber 79,7 Prozent im Vorjahr. Die Entwicklung beruht jedoch vor allem auf mehr befriedigenden Urteilen; der Anteil guter Bewertungen ist gesunken. Besonders angespannt ist die Situation bei den Handwerken für den gewerblichen Bedarf: 32,6 Prozent beurteilen ihre Lage als schlecht, ein Drittel meldet Umsatzrückgänge. Im Kfz-Handwerk ist der Anteil schlechter Lageurteile von 8,1 auf 22,9 Prozent gestiegen. In einzelnen Gewerken, darunter dem Nahrungsmittel- und Gesundheitshandwerk, fallen die aktuellen Lageurteile dagegen besser aus; die Perspektiven bleiben dennoch differenziert.
Aus Sicht der Handwerkskammer braucht es verlässliche und planbare Rahmenbedingungen, um Nachfrage und Investitionen zu stabilisieren. Dazu gehören Entlastungen bei Energie-, Material- und Lohnnebenkosten, weniger Bürokratie, bessere Finanzierungsbedingungen und gezielte Investitionsanreize. Öffentliche Investitionen, eine leistungsfähige Infrastruktur und Impulse für die private und gewerbliche Bautätigkeit können die Nachfrage stärken. Entscheidend ist, dass bereitgestellte Mittel zügig und zielgerichtet in zusätzliche Investitionen und konkrete Aufträge fließen.