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Handwerkskammer Erfurt appelliert an Ministerpräsident Voigt: Im Bundesrat gegen Entlastungsprämie stimmen

23. April 2026

Die Handwerkskammer Erfurt hat sich mit einem dringenden Appell an Thüringens Ministerpräsidenten Mario Voigt gewandt. In einem Schreiben an die Thüringer Staatskanzlei fordert das Nord- und Mittelthüringer Handwerk den Ministerpräsidenten auf, in der morgigen Sonder-Bundesratssitzung (24. April 2026) gegen die geplante steuerfreie Entlastungsprämie in Höhe von 1.000 Euro zu stimmen.

Aus Sicht des Handwerks ist die geplante Maßnahme sozialpolitisch gut gemeint, wirtschaftlich jedoch ein falsches Signal. Bereits in einer ersten Stellungnahme vom 15. April hatte die Handwerkskammer Erfurt bereits darauf hingewiesen, dass viele Handwerksbetriebe ihre Beschäftigten zwar gern zusätzlich entlasten würden, die wirtschaftliche Realität dies aber häufig nicht zulasse. Hohe Energie-, Material- und Personalkosten, eine schwache Konjunktur, wachsende Bürokratielasten und die Folgen der jüngsten Krisen engen die finanziellen Spielräume vieler kleiner und mittlerer Betriebe erheblich ein.

„Die Frage ist nicht, ob man eine solche Prämie zahlen will – sondern ob man sie überhaupt zahlen kann. Viele Handwerksbetriebe stehen mit dem Rücken zur Wand. Wer ihnen jetzt zusätzliche finanzielle Erwartungen aufbürdet, verschärft die Lage weiter. Das Thüringer Handwerk braucht keine Symbolpolitik, sondern echte strukturelle Entlastungen“, so Stefan Lobenstein, Präsident der Handwerkskammer Erfurt.

Besonders kritisch sieht das Handwerk, dass Betriebe, die sich eine solche Prämie nicht leisten können, gegenüber ihren Beschäftigten in eine ungünstige Lage geraten. Es drohten Enttäuschungen und Missverständnisse auf beiden Seiten – obwohl die Ursachen allein in den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen lägen.

Statt einer steuerfreien Einmalzahlung fordert das Handwerk nachhaltige und wirksame Maßnahmen: eine Senkung der Einkommensteuer, eine spürbare Reduzierung der Lohnzusatzkosten, verlässliche Energiepreise sowie den konsequenten Abbau bürokratischer Pflichten. Solche Schritte würden sowohl Betriebe als auch Beschäftigte entlasten und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Mittelstands stärken.

Mit Blick auf die morgige Sonder-Bundesratssitzung richtet die Handwerkskammer Erfurt deshalb einen klaren Appell an den Ministerpräsidenten Mario Voigt: Thüringen solle sich gegen die geplante Entlastungsprämie zu Lasten der Arbeitgeber stellen und stattdessen für faire, breit wirksame und wirtschaftlich tragfähige Entlastungen eintreten.